Die Gaiberger Kirchengeschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wird unser Gaiberg am 30. November 1312. Die Initiative der Ortsgründung geht vom Wormser Bischof aus, er ist Lehensherr über „die Königstuhler Waldmark.“ In seinem Auftrag verpflichten sich die Gaiberger und Waldhilsbacher Einwohner zur jährlichen Zahlung von 8 Malter Korn „ zur Finanzierung einer ewigen Messe in Gaiberg.“ Der Vertrag regelt auch die kirchlichen Verhältnisse. In Gaiberg befinden sich die Kirche und der Pfarrsitz, folglich findet der Gottesdienst in der Gaiberger Peterskirche statt. Ausgrabungen um die Kirche haben ergeben, dass die Kirche bereits in der Mitte des 12. Jahrhunderts ca. 150 Jahre vor der Datierung der Gründungsurkunde errichtet worden war. Gaiberg und Waldhilsbach gehörten im Jahre 1312 zur Pfarrei „Angelach“, dort befand sich die ranghöhere Pfarrkirche. Die Peterskirche war folglich eine Filialkirche der Pfarrei „Angelach.“ Die neu geborenen Erdenbürger aus Gaiberg und Waldhilsbach durften nur in der„ Angelacher Mutterkirche“ getauft werden. Die Gauangellocher Pfarrei teilte in den Tagen der Reformation das konfessionelle Schicksal vieler pfälzischer Orte, sie wurde 1563 aufgelöst. Die reformierten Gemeinden Gaiberg und Waldhilsbach wurden der Pfarrei Bammental zugewiesen, Gauangelloch blieb nach dem Willen der dort herrschenden Adelsfamilie Bettendorff lutherisch. Seit diesem Zeitpunkt wohnte auch kein Pfarrer mehr in Gaiberg, das Pfarrhaus wurde später vom Förster bewohnt und fand anfangs des 18. Jahrhundert als Schulhaus Verwendung. Allerdings fand nach wie vor ein regelmäßiger Gottesdienst in der Gaiberger Peterskirche statt, die Pfarrer „erklommen den steilen Berg nach Gaiberg.“

 

Das kleine Gaiberger Kirchlein überlebte schlimme Kriegsjahre und wurde im 30-jährigen Krieg sogar seiner Glocken beraubt. Im Jahre 1738 erfuhr das baufällige Gotteshaus eine wesentliche Veränderung, das neue Langhaus wurde in seiner heutigen Dimension eingeweiht, und diente den reformierten Gaibergern als Kirche. 4 Jahre nach der Einweihung erhält die Peterskirche ihre erste Orgel, diese verrichtet ihren Dienst bis zum Jahre 1881. Im Jahre 1805 wurden „die reformatorischen Verhältnisse“ wieder hergestellt, die Bammentaler Pfarrei wird aufgelöst, die Gaiberger und Waldhilsbacher reformierten Christen werden zu einer selbständigen Pfarrei zusammengefasst. Johan Carl Emanuel Hepp wird erster Pfarrer der Pfarrei, er starb im Alter von 37 Jahren und findet rechts am großen Eingang zur Kirche seine letzte Ruhestätte. Im Jahre 1811 kehren die Pfarrer wieder nach Gaiberg zurück, auf dem Gelände des alten Pfarrgartens in der Pfarrgasse7 wird wieder ein Pfarrhaus errichtet. Die Unionssynode von 1821 vereinigt im Großherzogtum Baden Lutheraner und Reformierte zur evangelisch-protestantischen Kirche, die Peterskirche wird Heimat der evangelischen Christen. 1864 wurde der Innenraum der Kirche völlig neu umgestaltet. Die alte Orgel erhielt einen neuen Platz, Gestühl und Altar werden erneuert und ein Boden aus Steinplatten verlegt. Nach 140 Jahren versagte die Orgel im Jahre 1881 ihren Dienst, beim Kauf der neuen Orgel ging man einem Tuchhändler „ auf den Leim“, die für teures Geld gekaufte schadhafte Orgel musste im Jahre 1903 einer dritten Orgel weichen. Die alten Glocken werden im Jahre 1913 durch ein Bronzegeläut ersetzt, 4 Jahre werden zwei Glocken für Kriegszwecke beschlagnahmt und eingeschmolzen. Trotz wirtschaftlich schwieriger Jahre entschied sich die Kirchengemeinde im Jahre 1921 für den Kauf von drei Stahlglocken von einer Glockengießerei aus Torgau. Eine unerwartete Spende aus den Vereinigten Staaten erleichtert die Finanzierung, Thomas Danquard, Sohn des in Gaiberg im Jahre 1871 verstorbenen Pfarrers, spendete 8000 Mark. 1938 feiert die Peterskirche ihren 200. Geburtstag, Landesbischof Kühlewein kommt nach Gaiberg und hält die Festansprache. Am 31. Juli 1955 wird durch große Eigenleistungen der Gemeindemitglieder die Sakristei als Gemeindesaal für etwa 50 Personen gebaut. 1999 erfolgt die kirchliche Trennung, nach 700 Jahren wird Waldhilsbach mit einem Federstrich von Gaiberg getrennt und Wiesenbach zugeordnet. Gaiberg und Gauangelloch bilden wieder gemeinsam eine Pfarrei.

Entwicklung des Kirchengebäudes von Gaiberg mit baulichem Umfeld im Jahr

1312, 1750 und 2000.