Osternacht - mit vorausgehender Kreuzwegwanderung

Seit 2012 feiern wir am Samstag vor Ostern die Osternacht mit Osterfeuer am Kraichgaublick - in diesem Jahr am 31. März.

Sehen Sie dazu die Bilder in der Foto-Galerie und die folgenden Berichte aus den letzten Jahren unten.

 

Schon vorher kann man im wörtlichen Sinne Schritt für Schritt mit von der Partie sein. Ausgehend von den beiden evangelischen Kirchen in Gaiberg und Gauangelloch wird jeweils eine Wanderung zum Kraichgaublick mit Medita-tionen zum Kreuzweg Jesu angeboten wird -

19.00 Uhr ab Kirche in Gauangelloch; 19.30 Uhr ab Kirche Gaiberg


Kreuzweg und Osternacht 2014 - Von der Dunkelheit ins Licht

von Gabriele Behm

 

Seit die Osternacht in dieser Form von unseren Kirchengemeinden Gaiberg und Gauangelloch durchgeführt wird, bin ich dieses Jahr zum ersten Mal dabei und bin sehr gespannt, was mich erwartet.

Wir, eine Gruppe Erwachsener, Jugendlicher und Kinder, treffen uns in unserer Kirche in Gauangelloch, wo Pfarrer Beisel die 1. Kreuzwegstation eröffnet. Er spricht über den mühseligen, schweren Gang Jesu nach Golgatha. Aber auch über das Wunder, das dort geschah. Er stellt uns die Frage: „Jesu am Kreuz – welches Elend, welche Not und was für Schmerzen  hat er durchlitten? Wie soll daraus denn Gutes erwachsen?“ Dem Lied „Aus der Tiefe rufe ich zu dir“ folgt ein Gebet um Gottes Geleit und wir machen uns nachdenklich, aber gut gelaunt mit Frau Hilde Gänzler und Frau Helga Kränzler auf den Weg zur nächsten Station. Pfarrer Beisel und seine Frau fahren nach Gaiberg, um von dort mit den Gaiberger Schwestern und Brüdern unser gemeinsames Ziel, den Kraichgaublick, anzusteuern.


An der 2. Station beginnen wir, begleitet von einem herrlichen Sonnenuntergang, die Andacht mit einem Bild von Maria Magdalena, die unter dem Kreuz Gott um Hilfe für Jesus anfleht. Sie fleht und bittet verzweifelt, ihn von seinen Schmerzen zu erlösen, weil sie es nicht mehr aushält, ihn so leiden zu sehen. Die Frage von Frau Gänzler: „Wann flehst Du zu Gott?“ macht mich nachdenklich, und ich erkenne in den Gesichtern der Anderen, dass es ihnen ähnlich geht. Weiter wird erzählt, dass Jesu Mutter Maria „wie tot“ ist. Hier fühle ich mich sehr angesprochen und betroffen. Auch ich kenne dieses Gefühl aus ganz persönlichen Erfahrungen in jüngster Zeit. Diese Ohnmacht, nichts ausrichten zu können, wenn der geliebte Mensch leidet. Das raubt einem fast den Verstand. Hier kann nur Gott helfen. Das spürt auch Maria, die bei ihrem Sohn verzweifelt und aus tiefster Not um Hilfe und Erbarmen für ihn fleht. Unser Schlussgebet für die 2. Station nimmt diese Stimmung auf. Wir bitten um Gottes Hilfe, wenn wir im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen, Freunden und Bekannten an unsere Grenzen stoßen.

 

Auf dem Weg zur 3. Station setzt allmählich die Dämmerung ein. Ein scharfer Ostwind kommt auf. Berührt von dem bisher Gehörten rückt die Gruppe näher zusammen, und wir fühlen uns wie Verbündete, die auf der Suche nach dem erlösenden Licht sind.

 


Das drückt auch das Bild an der 3. Station aus. Maria wird von einer Hand gestützt, ein Arm gibt ihr Halt und Geborgenheit. Sie spürt, dass sie nicht allein ist. Das ist das, was gut tut in so einer Situation; eine Hand, die mich stützt, eine Schulter an die ich mich anlehnen kann, wenn ich die eigene Ohnmacht spüre. Ist das nicht unsere ganz eigene, stille Sehnsucht – gerade in solchen Situationen? Wir bitten im Gebet, dass Gott uns Menschen schickt, die uns verstehen und Halt geben. Aber auch, dass wir für Andere da sind, wenn sie einsam, krank oder traurig sind, damit wir sie stützen und durch ihre schwierige Situation hindurch begleiten können. Das nächste Bild erschüttert uns, ein Gemurmel geht durch die Gruppe. Es zeigt eine offene Hand, durch die ein Nagel geschlagen ist. Wir singen „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir …“ Im anschließenden Gebet rufen wir zu Gott: „Lass mich spüren, dass Du da bist. Lass mich nicht allein. Schenk mir Deine Liebe und lass mich Geborgenheit bei Dir finden.“

 


Dieses Gebet wird auch bei der Andacht an der 4. Station aufgegriffen, wo wir – wie auch an den vorhergehenden Stationen - mit dem Lied „Okuli Nostri ad Dominum Deum“ beginnen. Frau Gänzler zitiert aus dem Hohen Lied der Liebe die Worte: Liebe, stark wie der Tod. Auf einem Bild sehen wir, wie Jesus die Qual durchleidet. Der Anblick ist kaum zu ertragen und wir fragen uns: „Wo ist Gott?“ Die Antwort: Er ist hier. Er liebt uns, er liebt seinen Sohn und lässt ihn trotzdem sterben. Er schenkt ihm und uns seine Liebe durch den Tod hindurch und besiegt mit dieser tiefen, unendlichen Liebe die Macht des Todes. Es ist Liebe, die Mut macht zum Leben. Darin erkenne ich Gott. Nichts kann mich von ihm trennen. Auf dem letzten Bild schließlich ist eine Hand zu sehen, deren Zeigefinger in die Dunkelheit zeigt. Sie weist uns den Weg aus der Dunkelheit ins Licht, den Weg in das richtige Leben. Nach der letzten Strophe des Liedes „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir“, beten wir zu Gott, dass er uns hilft, den Weg zu ihm zu finden, den Weg ins Licht. Er kennt unsere Freude, unsere Ängste, Nöte und Zweifel, und nur er kann uns die Erkenntnis schenken, das Richtige zu tun, um unser Leben in seinem Sinne zu gestalten.


Um unser Ziel nun endgültig zu erreichen, wandern wir die letzte Strecke zügig in der Dunkelheit und Kälte voran. Auf dem letzten Anstieg vor dem Kraichgaublick empfangen uns ein paar Konfirmanden, die an jeden Besucher eine Kerze mit den christlichen Zeichen für Anfang und Ende ausgeben. Es herrscht eine seltsam fröhliche Anspannung.

 

Am Kraichgaublick erwartet uns ein hoch aufgeschichteter Holzstoß, kalt und grau noch. Drumherum, in einigem Sicherheitsabstand stehen viele Menschen, jeder mit einer Kerze in der Hand. Der kalte Wind nimmt zu. Die wärmenden Jacken werden noch höher geschlossen. Mitgebrachte Mützen oder sonstige Kopfbedeckungen werden aus den Taschen herausgeholt und aufgesetzt, in der Hoffnung, so ein bisschen Wärme zu erhalten. Der Posaunenchor hat sich bereits positioniert und wartet auf seinen Einsatz.

 

Endlich ist es soweit. Pfarrer Beisel begrüßt uns freundlich und weist in seiner Rede auf den Sinn des Osterfestes und unseres Treffens hin. Wir singen „Christ ist erstanden von der Marter alle“, und im nächsten Schritt führt unser Pfarrer uns hin zur Weitergabe des Osterlichts, das am frühen Abend gemeinsam mit den katholischen Schwestern und Brüdern auf dem Rathausplatz in Gauangelloch entzündet wurde.  Er entzündet am Osterlicht eine Kerze und gibt das Licht an einen kleinen Jungen weiter, der es wiederum an andere Teilnehmer weitergibt.

Während dieses Geschehens spielt der Posaunenchor „Halleluja“ und „Laudate omnes gentes“. Trotz des stürmischen Windes dauert es gar nicht lange und der Platz ist ringsherum eingehüllt in warmes Kerzenlicht. Jeder hält ein leuchtendes, warmes Licht in der Hand. Pfarrer Beisel spricht über die Bedeutung des Feuers, über das helle Licht, das die Dunkelheit zerbricht und die Kälte des Todes in ihre Schranken weist. Der Tod und die Auferstehung Jesu werden für uns zu einer großartigen Demonstration Gottes. Er will uns zeigen, dass mit dem Tod, mit der Dunkelheit und Kälte nicht alles vorbei ist, sondern dass es weitergeht, neu und in einem anderen Licht. Wir können die Trauer und die Verzweiflung hinter uns lassen und fröhlich sein und das Neue annehmen, das Gott uns zugedacht hat. Mit dem Lied „Wir wollen alle fröhlich sein“ nehmen wir dieses Angebot Gottes gerne an. Wir spüren die wohltuende Wärme, die von den Kerzen ausgeht und danken Gott mit dem gemeinsamen „Vaterunser“ sowie dem Osterruf: „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden.“

 

Nun bittet Herr Beisel die Kinder, die schon ungeduldig darauf warten, mit den brennenden Kerzen den Holzstoß anzuzünden, damit das Osterfeuer - natürlich unter Aufsicht der Eltern - auflodern kann. Das lassen sich die Kinder nicht zweimal sagen. Während unter der Begleitung des Posaunenchores „Sonne der Gerechtigkeit“ gesungen wird, steht das aufgeschichtete Holz schnell lichterloh in Flammen. Die angenehme Wärme und das rötliche Licht, das von dem Osterfeuer ausgeht, zeigt nach und nach seine Wirkung und in den Gesichtern der Teilnehmer zeigt sich die Freude darüber, in dieser großen Gemeinschaft und fröhlichen Stimmung die Osternacht, die Auferstehung unseres Herrn, feiern zu dürfen. 

Nach dem Entzünden der großen Osterkerzen fallen alle noch einmal dankbar mit einer La-Ola-Welle in den Osterruf „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ ein.

 

Für den Heimweg lasse ich mir meine Kerze, die der Wind ausgeblasen hat, noch einmal anstecken. Mit Freunden und Bekannten mache ich mich auf den Weg durch die Dunkelheit in der Gewissheit, dass nach der tiefsten Nacht auch wieder ein heller Morgen beginnt.


Osternnacht 2013 – Auferstehung im Licht

Karfreitag - Verrat, Schmerz, Einsamkeit, Kreuzigung und Tod.
Die Glocken schweigen.

Ostersamstag - Trauer, Mitgefühl, Stille.

Am Abend - ich mache mich auf den Weg ...

 

Da sind noch andere Menschen, auch Kinder, sie lachen, sind unbeschwert. Sie kennen diese Gefühle nicht. Das, was Jesus in diesen Tagen erlebt hat, kenne ich auch - nicht so heftig, nicht so dramatisch. Aber ich kann es verstehen, ja nachfühlen, mitfühlen - Ostern hat mit mir und meinem Leben in dieser Welt zu tun.

 

Jesus betet zu Gott - er will sich vergewissern, ob er diesen Weg wirklich gehen muss, diesen Weg, den bis heute schicksalhaft immer wieder Menschen individuell und punktuell erleiden oder sich im symbolischen Mitgehen, wie wir es heute Abend auch tun wollen, verstanden wissen. Jesus wird im Gebet alleine gelassen, wir sind es nicht hier in unserer Kirche in Gauangelloch. Wir wollen uns gemeinsam auf den Weg machen aus der Dunkelheit ins Licht. Wir singen: „Aus der Tiefe rufe ich zu dir: Gott höre meine Klagen.“

Pfarrer Beisel eröffnet die Kreuzwegstationen in der Kirche. Wir machen uns auf den Weg. Was erwartet uns? Ich sehe viele Gesichter. Jeder dieser Menschen hat sein ganz eigenes Leben, sein ganz eigenes Schicksal, seine ganz eigenen Hoffnungen und Träume, vielleicht auch Not und Ängste. Aber wir sind gemeinsam unterwegs, es wird langsam dunkel, ich kenne das Ziel nicht – ich bin das erste Jahr dabei.

Ganz vorne entsteht eine Unruhe. Die Gespräche verstummen. Ein Bild, Worte, wir stehen in der Dunkelheit mitten auf dem Weg und lauschen auf das, was Jesus damals auf dem Weg zum Kreuz erleiden musste. Da höre ich es schon wieder: Verrat, Verleugnung, Alleine den Weg gehen, das Kreuz auf sich nehmen. Die Worte treten in den Hintergrund, ich bin bei mir, bei meinem Leben, bei meinem Erleben, bei meinem Allein gelassen werden.

 

Aber jetzt auf diesem Weg bin ich nicht allein, Menschen gehen mit mir. Andere fragen mich, wer ich bin, was ich beruflich mache, wo ich wohne. Immer wieder versuche ich den Weg Jesu nachzuempfinden. Er ist diesen schweren Weg zum Kreuz damals gegangen, damit mein Weg leichter wird.

 

Ein Weg öffnet sich zum Berg hin, Fackeln leuchten an der Seite. Und dann sind da, für mich völlig unerwartet, viele Menschen. Ein großer Kreis um aufgeschichtetes Holz für ein großes Feuer. Der Weg aus der Dunkelheit findet sein Ziel in einem Kreis der Gemeinden aus Gauangelloch und Gaiberg um einen Mittelpunkt dem vorbereiteten Osterfeuer am Kraichgaublick. Die Menschen sind freundlich, es liegt eine Spannung in der Luft. Alle haben eine Kerze in der Hand. Das Licht breitet sich von einem Punkt aus bis alle Kerzen brennen. Wir geben das Licht weiter, das uns gegeben wird. Der Ostergruß „Der Herr ist auferstanden – er ist wahrhaftig auferstanden“ wird von Pfarrer Beisel verkündet. Das Osterfeuer wird entzündet, die Menschen erfreuen sich am Feuer, am Licht, an der Wärme, am Singen und an der Gemeinschaft. Jeder trägt nicht nur sein Licht bei, sondern auch seinen Glauben an das Wunder der Auferstehung, die uns an diesem Abend zusammenstehen lässt. Viele gute Kräfte haben hier gewirkt, dass dieser Weg von der Dunkelheit ins Licht gelingen konnte. Das Licht leuchtet weiter auch auf dem Heimweg, nicht nur durch die Kerze die ich trage, auch in mir selbst.

 

30. März 2013, Helmuth Seifried

Osternacht 2013

erlebt und aufgeschrieben von

Helmuth Seifried