Bildkalender 2015

Am 2. November 2014 wurde der Kalender für 2015 von Pfarrer Johannes Beisel in einem Taizégottesdienst vorgestellt. Im Folgenden sind einige seiner Gedanken zu den verschiedenen Bildern auszugsweise widergegeben.


Plakatives Motiv auf der Titelseite des Kalenders: 

Ausschnitt des Kirchturmes der evangelischen Kirche in Gauangelloch

 

Nur an besonders langen Tagen im Sommer kann man früh morgens auf der Ostseite der Kirche in Gauangelloch vom Pfarrhaus aus soll ein Bild machen - um etwa 6.15 Uhr. Das Bild signalisiert: "Morgenstund hat Gold im Mund, aufgehts, carpe diem – pflücke den Tag und mach was draus.“ Wieder ein Tag aus Gottes Hand, geschenkte Zeit - 24 Stunden, 14.240 Minuten, 85.440 Sekunden. Ja, jede Sekunde unseres Lebens ist von Gott geschenkte Zeit - Zeit, die sinnvoll und bewusst genutzt und genossen werden kann.

Hier das Begleitschreiben zum Kalender zum Download!

Kalender 2015 - Begleitschreiben.pdf
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Kalenderbilder zum Vergrößern bitte anklicken!


„Am liebsten erinnere ich mich an die Zukunft.“ - So wie dieser Satz von Salvator Dalí etwas Irritierendes an sich hat - Vergangenheit und Zukunft werden da in vermeintlich unzulässiger Weise miteinander verknüpft - , so hat auch das Bild mit dem knallroten Apfel am verschneiten Baum etwas Irritierendes an sich - etwas im positiven Sinne Ver-rücktes, etwas Surrealistisches – „Das kann doch nicht (wahr) sein!“ Und doch ist es so.

Es ist gut, wenn das Gewöhnliche in seinem Gewöhnlichsein hin und wieder in Frage gestellt wird, wenn man es für nicht gar so selbstverständlich hält.

 

Wenn es schneit, geschieht etwas Ähnliches mit der ganzen Landschaft und mit allen Dörfern und Städten. Alles wird vom Schnee zugedeckt; das Gewöhnliche verschwindet unter der Schneedecke.

Alles wird zugedeckt und gleichzeitig neu aufgedeckt. Die Konturen, die Formen des Verdeckten kommen nun umso besser zum Vorschein.

Ein neues Jahr ist wie eine große verschneite Wiese, die vor uns liegt - alles ist noch unangetastet, unschuldig weiß - eben wie Schnee. Noch ist keine Spur zu sehen. Ein neues Jahr - Neuland, das wir betreten dürfen.

 


Dieses Bild trägt den Titel „Unsere Spitzen“– unsere Kirchturmspitzen.

 

Für den Kalender sind die Turmspitzen unserer beiden Kirchen auf einem Bild vereinigt worden - auch etwas Surrealistisches. Graphisch wäre es ziemlich uninteressant gewesen, nur eine Kirchturmspitze auf das Querformat des Kalenders zu bringen.

Von der Struktur her sind die beiden Spitzen sehr ähnlich – dreigeteilt; von der Ausführung her aber sind sie doch sehr unterschiedlich. Auf der Turmspitze an sich ist jeweils erstmal eine Kugel platziert. Sie symbolisiert die Erdkugel, auf der jeweils ein Kreuz aufgerichtet ist - schmiedeeisern, in beiden Fällen kunstvoll verziert; links das Kreuz von Gaiberg, rechts das von Gauangelloch. Und ganz oben drauf dann noch der Hahn. Er hat so etwas wie ein Wächteramt; er erinnert an all die Werte, die mit dem Christentum verbunden sind und an die wir Men-schen uns halten sollen. (Lesen Sie dazu im Markusevangelium 14,66-72)

Der Hahn ist übrigens eine Art „Wendehals“: Er ist so aufgehängt, dass er sich nach dem Wind dreht. So kann man an ihm eben auch die Windrichtung ablesen.


Das März-Bild spricht von Vergänglichkeit und Neuanfang; von Sterben und Tod  und  Auferstehung - neuem Leben. Es spricht von Karfreitag und Ostern.

 

Die Bäume und Sträucher auf dem Bild erinnern mich auch den letzten Abend Jesu zusammen mit seinen Jüngern im Garten Gethsemane …
„Bleibet hier und wachet mit mir, wachet und betet!“


Früh am Ostermorgen gehen die Frauen ans Grab und finden es leer.

Morgenstund‘ hat Gold im Mund - Jesus ist auferstanden.

 

Um 6.05 Uhr gibt es keinen Toten mehr. Das Kreuz – ja das hat es gegeben in seiner ganzen Brutalität, aber es ist überwunden - lichtumflutet wie auf unserem Bild schattet es sich nur noch leicht auf der Kirchturmwand ab.


Mai - Zeit der Konfirmationen und Jubelkonfirmationen, Zeit zum Feiern.


Das Bild für Juni bietet eine ungewohnte Perspektive - in diesem Fall auf die Kirche in Gaiberg.

Manchmal ist gut Abstand zu gewinnen und die Dinge aus einer gewissen Distanz heraus und aus einer anderen Perspektive wahrzunehmen - und so noch einmal neu und anders. Ungewohnte Perspektiven ermöglichen neue Einsichten und Erkenntnisse. So ist das auch mit den Bildern für Juni und Juli.


Mit dem Bild werfen wir einen Blick auf den Turm der Kirche in Gaiberg an der Südostseite. Nur hier ist von außen ein Stück Fachwerk zu sehen.


„Vom Korn zum Brot“ - Heute ersetzen Mähdrescher etwa 200 Menschen.

Brot, Mais, Reis – sie sind auch heute noch lebensnotwendig - vielleicht sogar mehr denn je, um alle Menschen auf der Erde satt zu bekommen.

Brot ist auch ein Element beim Abendmahl. In einem Gedicht heißt es:

    Wir ehren das Brot, weil es uns erinnert an einen,

    der selber Brot war und immer noch Brot ist für den Hunger der Menschen:
    Jesus, das Brot des Lebens. -
    Auch wir können Brot sein von dem andere leben.


Treffen sich zwei Doofe. Sagt der eine zum anderen: "Du, sag mal, was ist weiter weg - London oder der Mond?" - Sagt der andere: "Hallo, London schon mal mit bloßem Auge gesehen ?!!"

 

Analog zu diesem Witz könnte man mit Blick auf das nebenstehende Bild folgenden Witz erzählen: Fragt ein Doofer den anderen: "Du, was ist größer - der Mond oder der Kirchturm der Kirche in Gauangelloch?" - Sagt der andere mit einer gewissen Entrüstung in der Stimme: "Hallo, der Mond ist ja nicht mal halb so groß wie das Ziffferblatt der Turmuhr!" (Man beachte auf dem Bild links neben dem Zifferblatt den kleinen weißen Fleck am Himmel ... )


Entweder wird das Stroh untergepflügt und gibt so Nährstoffe für die nächste Ernte ab, oder es wird wie auf diesem Bild zu großen runden Strohballen geformt. Später wird damit der Stall ausgelegt. Doch bevor es dazu kommt, liegen die Ballen wie Kunstwerke in der Landschaft, und wir können uns dran freuen.


Das Bild spricht uns auf unseren Lebensabend an. Es ist November, die Zeit des zu Ende gehenden Kirchenjahres - Ewigkeitssonntag.

Der Baum steht da wie ein Kreuz - fest geerdet, stark,
elegant, mit einer Extrastütze. Grandios mutet das an.

Der Baum steht da mit einem großen Selbstbewusstsein. So wie er dasteht, sieht man ihm an, dass er sich vom Winter nicht unterkriegen lassen will, - dass er im nächsten Frühling wieder ausschlagen wird.

Der Baum trotz dem Tod. Ein wunderbares Kunstwerk der Natur!


Der Schalldeckel an der Kanzel in Gauangelloch – mit Strahlen wie ein Stern. In alle Himmelrichtungen soll die frohe Botschaft weitergetragen werden – nicht zuletzt von denen, die auf der Kanzel stehen und predigen.

 

Das Muster auf dem Schalldeckel erinnert ein wenig an die Lutherrose.

In einem Brief aus dem Jahre 1530 schreibt Martin Luther, „dass solch Herz mitten in einer weißen Rosen stehen soll, anzuzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt, darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe. Solche Rose stehet im himmelfarben Felde, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlische Freude zukünftig, jetzt wohl schon drinnen begriffen und durch Hoffnung gefasset, aber noch nicht offenbar. Und in solch Feld einen goldenen Ring, dass solch Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich über alle Freude und Güter, wie das Gold das höchste, köstlichste Erz ist.“